HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Algenzucht und Regionalplanung

70 Hektar Gewerbeflächen hat Homberg für ihre zukünftige Gewerbeentwicklung, so der Zentralausschuss der Regionalversammlung am 10 Juni 2013.
Dennoch beantragte die Stadt weitere Gewerbeflächen, nämlich die ehemalige Schießanlage (6,1 ha) zum Zwecke der Algenzucht, so die Begründung.

"Am 29.04.2013 beantragte der Magistrat der Kreisstadt Homberg (Efze) die Zulassung einer Abweichung für die 6,1 ha große Fläche der ehemaligen Standortschießanlage im Bereich der vormaligen Ostpreußenkaserne. Diese bislang im Regionalplan Nordhessen 2009 (RPN) als Vorbehaltsgebiet für Landwirtschaft dargestellte Fläche will die Stadt Homberg im Zuge der gemeindlichen Bauleitplanung als gewerbliche Baufläche und teilweise auch als Grünfläche ausweisen."

AbweichungsflächeBei dem vorhandenen Überangebot an Gewerbeflächen konnte der Zentralausschuss der Regionalversammlung konnte eine weiter zusätzliche Fläche nicht glaubhaft begründet werden, also behalf sie der Magistrat mit einer Begründung für Algenzucht und hatte damit Erfolg.

"Die jetzt außerdem beantragte Ausweisung der früheren Standortschießanlage als gewerbliche Baufläche kann deshalb nicht nur mit einem weiteren Flächenbedarf begründet werden, sondern allenfalls über eine besondere Standorteignung dieser Fläche für eine hier vorgesehene gewerbliche Nutzung, die an den oben aufgeführten Standorten nicht gegeben ist."

Der Abweichungsbescheid vom gültigen Regionalplan übernahn die Argumentation der Stadt unbesehen.

 

Begründung der AlgenzuchtAlgenzuchtbegründung

Falsche Behauptungen, von der Wissenschaft nicht gedeckt

Auf Anfrage antwortet ein Wissenschaftler aus der Algenforschung:

#  "Eine Pyrolyse ist weder wirtschaftlich noch energetisch sinnvoll, weil ich auf mindestens 200°C erwärmen muß und damit mehr Energie reinstecke als dann in den Produkten drinne ist.

#  Die Wärme, die ich zum Beheizen der Pyrolyse nehme, kann ich natürlich theoretisch für die Algenzucht nutzen, dann kann ich aber auch direkt die Algen beheizen und zwar auf 20°C, was dann wesentlich sinnvoller wäre.

#  Auch das CO2 aus dem Gas einer Biogasanlage kann ich theoretisch nutzen. Nur sind im ungereinigten Biogas viele andere giftigen Bestandteile (H2S, NH3), sodass ich entweder das Gas vorab reinigen muss (ausser CO2) oder eine Alge finden muß, die die Gifte toleriert. Beides funktioniert in der Praxis nicht (hat meines Wissens zumindest noch keiner gezeigt).

#  Dann müssen Sie beachten, dass Sie zwar theoretisch das CO2-haltige Gas in die Algenkultur leiten können, aber die Algen nehmen maximal 50% des CO2 auf. Der Rest ist dann immer noch im Gas und muß andereweitig rausgeholt werden.

#  Vermutlich wird eine Algenanlage auch nicht die absoluten Mengen CO2 einer Biogasanlage aufnehmen können. Da ich in Photobioreaktoren max. 5% Algen habe, muß die Algenanlage wesentlich größer sein als die Biogasanlage…

#  Das sind alles Konzepte, die theoretisch gut klingen aber in der Praxis scheitern. Und auch dann bleibt wieder die Frage, was aus der Algenbiomasse werden soll. Es gibt hier kein wirtschaftlich sinnvolles Verwertungskonzept. Die Herren, die das vorhaben, sollen mal ein Referenzprojekt nennen, wo Algen Biogas reienigen können…"

Warum argumentiert der Magistrat damit?
Warum übernimmt der Regierungspräsident diese Argumentation?
Hat er nicht eine Aufsichtsfunktion?

Mit diesen Begründungen hat die Stadt erst einmal Erfolg gehabt, die Schießanlage wrude als Gewerbegebiet ausgewiesen. Aber wo sind die Gewächshäuser mit den Folienschläuchen, in denen die Algen wachsen? Die Schießanlage liegt auch zwei Jahre nach dem Beschluss so unberührt da, wie damals.
Für den Abweichungsbeschluss berechnete das Regierungspräsidium 4.000 Euro.
Auch wenn das vorerst die Hessische Landgesellschaft (HLG) vorfinanziert, am Ende muss die Stadt zahlen.

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. .  DOKUMENTATION . . 

Auszug aus der Niederschrift zur Sitzung am 10. 6. 2013

2.5

Industrie- und Gewerbegebiet (6,1 ha) südlich der Kernstadt Homberg (Efze), Schwalm-Eder-Kreis
 

Herr Vorsitzender Lange (CDU) ruft den TOP auf und stellt diesen zur Aussprache.

Herr Heßler (SPD) führt aus, dass die Fläche zwar recht groß sei, doch aufgrund des Struktur-wandels im Rahmen der Bundeswehr (Konversionsflächen) sei eine solche Planung sinnvoll und seine Fraktion werde der Abweichung zustimmen. Die CDU-Fraktion und die FDP-/FWG-Fraktion äußern ebenfalls für ihre Fraktionen die Zustimmung. Herr Berkout (Piratenpartei) würde auch zustimmen. Herr Ackermann (Bündnis 90/Die Grünen) bemerkt, dass die Leute vor Ort die Planung als eher problematisch ansehen würden. An anderer Stelle stünden noch 60 ha Gewerbe-fläche zur Verfügung. Die Stadt Homberg (Efze) sollte im Gegenzug ihre Gewerbeflächen an anderer Stelle reduzieren.

Nachdem kein Diskussionsbedarf besteht, lässt der Vorsitzende über folgenden Beschlusstext abstimmen:

“Die Abweichung vom Regionalplan Nordhessen für das Industrie- und Gewerbegebiet (6,1 ha) südlich der Kernstadt Homberg (Efze), Schwalm-Eder-Kreis, wird auf der Grundlage des beiliegenden Entwurfs der landesplanerischen Entscheidung zugelassen.“

Abstimmungsergebnis: Ja-Stimmen

Nein-Stimmen

Enthaltungen

12

0

3


2 Kommentare zu “Algenzucht und Regionalplanung”

  1. Scherzbold

    Herr Schnappauf!

    Ich kann das Wort Algenzuchtanlage nicht mehr HÖREN und möchte es auch nicht mehr LESEN. 🙂

    In 30,40,50 Jahren steht der Stadtführer auf dem Marktplatz und erzählt en Touristen von der Mär der Homberger Algen…

  2. Frühaufsteher

    Herr Schnappauf wollte lediglich aufzeigen, dass man durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Kosten verursacht hat. Allein 4000 € an Gebühren. Da Kleinvieh auch Mist macht wird sich inzwischen ein Haufen "Mist" angesammelt haben. Wächter dieses "Misthaufens" und Lagerort ist die HLG.

    Herr Dr. Ritz wollte offen und ehrlich zu den Bürgern sein. Im Punkt Schuldensituation insbesondere bei HLG und Ärztehaus, sowie Burgbergrestaurantanbau sehe ich Nachholbedarf an Information. So ist z. B. für den Anbau 100 000 € in den Haushalt eingestellt ohne dass auch nur eine einzige konkrete Planung vorliegt. 20 000 € für den Bau von Parkplätzen. Für wen sind die bestimmt?

    Daher bin ich gespannt, wann lang und ausführlich über den Haushalt 2015 diskutiert wird und Tischvorlagen oder mündliche Erläuterungen der Vergangenheit angehören. Insbesondere letztere sind dann im Protokoll nur als Hinweis " Herr BM… informierte über …. "
    Was er sagte, welche Informationen er gab weiß damit keiner. Somit ist auch eine Kontrolle nicht möglich.  Kann man nur kopfschüttelnd als Zuschauer da stehen und sich wundern, was unsere gewählten Vertreter da verzapfen.

     

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