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Weihnachtsbotschaft „Frieden auf Erden“ – Wurzeln des Unfriedens

"Frieden auf Erden" lautet die Weihnachtsbotschaft in einer Zeit in der die größte Militärmacht, die je auf der Erde geherrscht hat, wieder auf Kriegsrethorik umgeschaltet hat. Gleichzeitig nimmt die Hitze zu, Ernten vertrocknen, Wälder brennen, Stürme verwüsten Landstriche, Wasserfluten reißen Häuser mit sich, der Abfall wird überall immer mehr. Gegen diese Bedrohungen helfen keine Panzer oder Raketen.

Wo liegen die Wurzeln für den Unfrieden?

Eine Wurzel liegt in der Begehrlichkeit – "Du sollst nicht begehren", heißt es in den Geboten.
Eine andere Wurzel liegt in der Überheblichkeit, denn diese spaltet die Menschen. Es spaltet die die Menschen in die Guten und die Schlechten, die Auserwählten und die Verworfenen. Dieses Bild wurde 397 nach Chr. in der Gnadenlehre des Augustinus verfestigt. Die Mehrheit der Menschheit sind die Verworfenen, denn sie tragen die Erbsünde fort. Die Erbsünde, die Augustinus erfunden hatte. Damit schuf er ein "Seelenfolterinstrument [1]" für Jahrhunderte, wie es Friedrich Christian Delius formulierte, der in hessischen Pfarrhäusern aufgewachsen ist. Mit der Erfindung der Erbsünde wurde der Kampf in der Kirche zuungunsten eines humanen Christentums entschieden.

Es gab einen kurze Zeit, die als goldene Zeit bekannt wurde. Die Zeit, als die Vertreter des jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens sich gegenseitig respektierten, sich gegenseitig anregten und friedlich entwickelten. Kooperation statt Kampf.
Es war die kurze Zeit in Spanien, bevor Amerika entdeckt wurde. Entdeckt wurden Gold und andere Schätze. Das weckte die Begehrlichkeit der Europäer.
  

Der Blick des Anderen: Wie sahen es die Menschen, die dort lebten?

"Der Indianer, der das erste Mal einen Europäer am Strand sah, machte eine schlimme Entdeckung", formulierte einmal jemand, es könnte Lichtenstein gewesen sein.  Die Begehrlichkeit galt als wohlgefällig, es durfte geplündert, geraubt und gemordet werden, bis heute. Die Europäer fühlten sich als die Auserwählten. Sie meinten, mit Kreuz und Kugeln Kultur zu bringen.

Kurze Zeit nach der Entdeckung des Reichtums eines neuen Kontinentes übersetzte Luther die Bibel in die deutsche Sprache. Dabei übersetzte er in der Genesis: "Macht Euch die Erde untertan".  Früher hieß es "Im Schweiße seines Angesichts das Feld bestellen".
Damit schuf er den Herrschaftsanspruch [2]des christlichen Menschen über die Welt, über Pflanzen und Tiere, über Sklaven und Andersgläubige. Damit übernahm der Augustinermönch die Lehren seines Ordensgründers, die er "modernisierte " und verfestigte. Luther legitimierte den Judenhass und den Hass auf sich widersetzende Bauern, die ihr Los verbessern wollten.

Das war das geistige Klima um 1550, als ein Homberger Bürger, aufbrach, um mit zu den neu entdeckten Länder zu fahren, die reich an Gold und anderen Schätzen sein sollten. Die Begehrlichkeit trieb an.
Der Homberger Hans Staden fuhr in das neue, unbekannte Land, wurde dort von den Menschen gefangen genommen, in deren Lebensraum er gedrungen war. Nach Monaten wurde er ausgelöst. Viele führten seine Rückkehr aus der gefährlichen Lage auf seinen festen protestantischen Glauben zurück und sahen es somit als Gottes Fügung.

Foto: Gemälde von Jose De Quadro [3], Hans Staden, Homberg und Worte der Tupinamba╠ü

Der Bericht, den er nach seiner Rückkehr schrieb, zeugt von einem ganz anderen Verständnis. Er beschrieb die Tier- und Pflanzenwelt und die Lebensweise der Menschen in Südamerika und lernte etwas von ihrer Sprache. Um die Sprache zu lernen, musste er sich interessiert zeigen, Bedeutungen erfragen, musste offen und neugierig sein. Diese Informationen [4]konnte er nur sammeln, weil er auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizierte. Hans Staden kann als ein frühes Beispiel für ein kooperatives Verhältnis gesehen werden, das im Gegensatz stand zu dem Verhalten der Eroberer mit Herrschaftsanspruch.

Heute wird das Wissen und die Erfahrung jener Menschen zunehmend ernst genommen, die im Einklang mit der Natur zu leben verstehen. Sie haben ein anderes Wissen und ein anderes Verständnis von der Natur, mit der sie sich verbunden fühlen.

Frieden auf Erden wird es nur geben, wenn wir von denen lernen, die diese Kultur über Jahrtausende entwickelt haben. Das, was seit 200 Jahren Fortschritt genannt wird, zeigt sich heute als Bedrohung der Lebensgrundlagen aller Menschen. Was gemeinhin Klimaschutz genannt wird, ist oft nur ein verzweifelter Versuch, mit anderer Technik den einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.