HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Stele der Toleranz: Nur Toleranz oder auch Dialog?

  
Vor 2 Jahren wurde in Homberg an der Drehscheibe eine 8 Meter hohe
"Stele der Toleranz" für 30.000 Euro errichtet.
Oben an der Spitze in über 7 Meter Höhe steht senkrecht das Wort TOLERANZ in Großbuchstaben.

Unten in Augenhöhe steht ein Text, der die Geschichte des Nationalsozialismus verfälscht und sie wie ein Naturereignis darstellt, das wie ein Virus über die Menschen gekommen sei.
Die Homberger als Opfer.  

Seit einigen Wochen ist der Text der Stele
mit einer schwarzen Platte abgedeckt.

 

Jetzt ist es an der Zeit den Begriff "Toleranz" oder das Verb "tolerieren" genauer zu betrachten.

  
Die Stele, Zeichen unserer Toleranz
 

Es bedeutet, etwas oder jemanden dulden oder zulassen, obwohl es nicht gefällt. Duden


In dem Begriff Toleranz werden bestimmte Vorstellungen transportiert, die nicht sichtbar benannt werden.

Toleranz setzt zwei Gruppen in der Gesellschaft voraus. Die eine ist dominierend und bestimmend, die andere weicht davon ab.

Die dominierende Auffassung oder Lebensweise ist vorherrschend und gilt als gültige.

Die abweichende Lebensweise der anderen – des minderen Teil der Gesellschaft – wird abgelehnt.
Das Abweichende wird nicht anerkannt, es wird nur toleriert.


Wir, die Mehrheitsgesellschaft ertragen das Abweichende, wir dulden das, denn wir sind tolerant.
Mit unserer Toleranz schmücken wir uns und klopfen uns stolz auf die eigene Schulter.
Eine Stele der Toleranz ist das sichtbare Zeichen.
 

Die Mehrheitsgesellschaft bietet an, werde so wie wir sind. Integriere dich in unsere Gesellschaft.
Vergiss alles, was dich ausmacht, was du mitbringst an kulturellen Werten und Fähigkeiten, es ist wertlos – in unserer Mehrheitsgesellschaft.

Mit dieser Überheblichkeit meint sie sich schützen zu können, beharren zu können in einer Welt, die ihnen selbst aus den Händen gleitet.
Die Überheblichkeit gibt das trügerische Gefühl der Sicherheit.
Es macht blind für die Veränderungen in der Welt, in der auch die Mehrheitsgesellschaft nur ein Spielball ist.

Toleranz ist oft nur Ausdruck von Gleichgültigkeit. Tu, was du willst, solange es mich nicht berührt. Wenn du kopfüber auf den Händen gehen willst, bitte, mach es, wenn es dir gefällt. Im Gegensatz dazu steht die Solidarität, die Erkundung von Motiven und Absichten des Nächsten, die Erforschung des Fremden: Warum gehst du auf den Händen? Reden wir darüber! Es ist bemerkenswert, dass gerade Papst Franziskus nachdrücklich zu einer Kultur des Dialogs aufruft. Nur sie befähigt uns, den anderen als berechtigten Partner wahrzunehmen und zu respektieren.

sagte der polnisch-britische Soziologe jüdischer Herkunft Zygmunt Baumann vor 10 Jahren in einem Spiegel-Interview 2016.
 

Dialog statt nur Duldung

Angst, Hass, Ressentiment und Ausgrenzung setzen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in Gang.
Inklusion und Integration sind die stärksten Waffen des Westens.
Es gibt keinen anderen Ausweg aus der Krise, in der die Menschheit sich befindet, als Solidarität.

Die Entfremdung, die Barriere zwischen uns und den Fremden, den Etablierten und den Außenseitern,
muss überwunden werden.
Der erste Schritt dazu ist die Aufnahme eines Dialogs. Aus Fremden müssen Nachbarn werden.

Zygmunt Baumann Quelle

In den zwei Jahren seit der Einweihung der Stele in Homberg hat es keinen Dialog gegeben. Bürgermeister Dr. Ritz behauptete gegenüber dem Hessischen Rundfunk (gesendet am 15. Februar 2026)

„Die textliche Gestaltung der `Stele der Toleranz` hat in Homberg einen breiten Diskussionsprozess in Gang gesetzt, der im Hinblick auf die entstandenen Irritationen auch als wichtig erachtet wird.
(…) Der Diskussionsprozess (…) ist zwischenzeitlich weit fortgeschritten, sodass im Laufe der nächsten Wochen ein Vorschlag für die zukünftige Gestaltung der Stele vorgestellt wird.“

Bis heute, 5. Juli 2026, ist von einem Diskussionsprozess bekannt geworden. Ein Vorschlag für die zukünftige Gestaltung wurde auch nicht vorgestellt. Oder soll die inzwischen angebrachte schwarze Platte der Vorschlag sein, den der Bürgermeister angekündigt hat?

 


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