HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Homberger Schirnen: Baustelle ruht

Statt einer Eisdiele zeigen sich die Homberger Schirnen in diesem Sommer als vernagelte Baustelle. Es ist still geworden.

Erst hat die Stadt die Schirnen gekauft, um sie dauerhaft als städtische Eigentum zu führen, so lautete der Beschluss. Kurze Zeit später wurden die Schirnen an Privat verkauft, mit Verlust.

Die historischen Gewände wurden herausgebrochen, um sie nach Plänen des Architekten Gerlach aus Fritzlar durch eine Stahl-Glas Wand zu ersetzen.

Foto: Historische Sandstein-Fenstergewände herausgebrochen, Öffnung mit Brettern und Spanplatten vernagelt. So wird das Kulturdenkmal präsentiert.

Wer ist Bauherr? Wer ist Bauleiter?

Als Bauherr ist auf den Bauschild zu lesen: "Bauherrenschaft: Magistrat der Stadt Homberg, vertreten durch Bürgermeister Dr. Nico Ritz…"
Als Bauleiter war bisher der Architekt Hess eingetragen. Seit einiger Zeit hängt ein neues Bauschild aus, diesmal ist kein Bauleiter genannt, auch ein Datum der Baugenhmigung fehlt. Was ist geschehen?

Geht es um Fördermittel?

Gerüchteweise ist in der Stadt zu hören, auf dem Bauschild steht nicht der Eigentümer, sondern die Stadt –  um so Fördermittel für den Umbau zu bekommen. Dieses Gerücht ist wenig glaubhaft, weil Fördergelder immer nur bewilligt werden, wenn mit den Maßnahmen noch nicht begonnen wurde. Dieser Bau wurde bereits begonnenund ruht seit mehreren Wochen ohne ersichtlichen Grund. Sollte an dem Gerücht doch etwas dran sein – was in Homberg nach den vielfältigen Erfahrungen nicht auszuschließen ist – dann käme das in die Nähe eines Betrugs.
Fotos: Aushang des Bauschildes. Erstes Foto mit Bauleiter Architekt Hess (Stempel)
zweites Bauschild ohne Namen eines verantwortlichen Bauleiters

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9 Kommentare zu “Homberger Schirnen: Baustelle ruht”

  1. AnwaltsLiebling

    Meiner Kenntnis nach muss ein Bauschild nach § 10 Bauverordnung ( HBO) gut sichtbar zur Straßenseite hin angebracht sein. ( Ausnahmeregelungen treten bei der Baustelle Schirne nicht in Kraft )

    Pflichtangaben:

    Bauherrschaft gemäß § 48 HBO  (Angabe erforderlich )

    Bauleitung gemäß § 51 HBO   ( Angabe erforderlich )

    Entwurfsverfasser/in gemäß § 49 HBO  ( Angabe erforderlich )

    Unternehmen gemäß § 51 HBO  ( Angabe erforderlich )

  2. Barolle

    Ordnungswidrigkeiten im Bauordnungsrecht

    Bußgeldkatalog u. a.fehelnde Bauleitung, Wechsel der Bauherrenschaft nicht angezeigt, Baubeginn ohne Genehmigung usw.

    https://wirtschaft.hessen.de/sites/default/files/media/hmwvl/bussgeldkatalog_fuer_ordnungswidrigkeiten_nach_der_hessischen_bauordnung_im_bussgelderlass_vom_11_03_2014.pdf

  3. Frustrierter

    Da das Stadtoberhaupt auch zur Leserschaft des Homberger Hingucker zu zählen ist, wird das nicht den Vorschriften entsprechende Bauschild sicher kurzfristig geändert werden, wenn dies nicht schon geschehen ist.

  4. Scherzbold

    Das Bauschild muss nur ergänzt werden.   🙂

  5. Distanzbetrachter

    Denk´ ich an die Schirnen in der Nacht, dann hör´ ich, wie der Teufel lacht…  

    Schön, dass Herr Schnappauf die nicht enden wollende Geschichte der Homberger Schirnen aufgegriffen hat um sie den interessierten Leser näher zu bringen.

    Es ist nicht unbedingt das Bauschild, das als bleibende Erinnerung bei den Menschen wahrgenommen wird, es ist einfach die seit Jahren bekannte und bis zum heutigen Tag frustrierende Geschichte eines tragenden denkmalgeschützten Pfeilers der Homberger Geschichte. Und dieser Pfeiler sieht auf dem Bild oben aus (Entschuldigung!) wie eine Garagentoreinfahrt, bei der das Rolltor noch nicht geliefert wurde.

    „Denkmalschutz ist unser Dank an die Vergangenheit, unsere Freude an der Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft“.

    Die ist der Leitsatz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den diese Institution als Leitbild fest verankert hat.

    Zwei Zeilen Auszug aus Monumente:

    Die Wiederverwendung von Baumaterialien, die Nähe ihrter Herkunft und die Dauerhaftigkeit der Maßnahmen sind hier die Regel. Langlebige und ressourcenschonende Sanierungsmaßnahmen und ein generationenübergreifender Ansatz der Verantwortungsübernahme für unsere Dankmale sind hohe und elementare Werte.“

  6. Marianne Prieß

    Den Entwurf mit der Glasfassade fand ich durchaus hübsch – in einem modernen Gebäude.

    Solche Glasfronten gibt es aber an vielen Orten.

    Die Homberger Schirnen sind einmalig.

    Sie zu zerstören, für eine gefällige, modische Lösung, ist für mich unfassbar und ein Verbrechen an unserer Geschichte.

  7. Distanzbetrachter

    Zu 06) Marianne Prieß

    Danke für Ihre kulturgeschichtliche Einschätzung dieses exponierten Homberger Ausstellungsmerkmals.

    Im Übrigen, sofern sie einmal einen Motivationskurs besucht haben, gratuliere ich Ihnen; sofern Sie keinen besucht haben, gratuliere ich Ihnen noch mehr.

    Wie Sie sehr richtig resümiert haben wird das prägende mittelalterliche Kulturgut der Homberger Schirnen auf dem Opfertisch der Beliebigkeit beerdigt. Was letztendlich von dem bald ehemals sehr eindrucksvollen Ensemble bestehend aus Stadtkirche und Mauer übrig bleibt ist ein zweckentfremdendes modernes Fragment einer stilistisch niveaulosen Leistung, um den Ansprüchen der heutigen Zeit auf dem Weg des geringsten Widerstandes Genüge zu tun.

    Scheinbar scheint hier der Denkmalschutzbeauftragte einen relativ kurzen Blickwinkel auf die Stadtmauer mit den Schirnen gehabt zu haben, dass er diese Sanierung zugelassen hat.

    Des Weiteren frage ich mich ernsthaft warum denn unser ehemaliger Kirchenhistoriker, Autor und Bürgermeisterkandidat Dr. Dirk Richhardt sich gänzlich aus der Öffentlichkeit Hombergs zurückgezogen hat und nach dem Motto „still ruht der See“ zu diesen Freveln schweigt?

    Ich finde, ein Stück Verantwortung für Homberg Kulturgeschichte ruht auch auf seinen Schultern.

    Anhand des Artikels von Delf Schnappauf bleibt zudem festzustellen, dass der „Moloch“ in der Sanierung ein äußerst gieriger Geldfresser ist; Geld, das man kaum sieht, wenn es verbraucht ist.

    Die Unwägbarkeit eines evtl. zukünftigen Wasserschadens in Kauf zu nehmen entspricht der Leichtfertigkeit des Unternehmertuns.

    Man will dem Betreiber alles Gute für die Zukunft wünschen.

    Es bleibt aber doch nach alledem der zweifelhafte Spruch im Raum:

    „Wehe ihr Schirnen…!

  8. Scherzbold

    Einmal, nur noch einmal nerve ich mit "meiner Weinstube"….

    Eine Weinstube in den Schirnen hätte keine Änderung der historischen Außenfassade erforderlich gemacht. Grelles Licht passt nicht zu einer Weinstube, Kerzenlicht und gedämpfte Wandbeleuchtung sind gefragt.  🙂

    Der neue Besitzer hätte im Sommer sein Hauptaugenmerk auf seine derzeitige Außengastronomie gelegt ( die er beibehalten will ) und ab Herbst auf die guten Tropfen aus der Flasche hinter historischen Gemäuern

    Für die Eismaschine hätte sich bestimmt ein Plätzchen gefunden….

    "Robin Hood" möge mir verzeihen.   🙂

  9. Phil Antrop

    Ein Ausgleich für einen Keller, wie man ihn unter dem Garten des Pflügerschen Hauses finden konnte, ist das nicht. Und erst recht nicht das neue "American Style" Restaurant im Hause ehemals Fey !

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