HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Kitaplanung Wernswig: Lehrstunde in Manipulation

Foto vom Laptop-Bildschirm mit Grundrissplan Kita-Wernswig, Variante zweigeschossig, zu Lektion 5

 
Die Stadtverordnetenversammlung am 21. März 2024 wurde beim ersten Tagesordnungspunkt zu einer Lehrstunde in Manipulation. Der Stadtverordnetenvorsteher konnte eine ungewöhnlich hohe Zahl an Besuchern begrüßen, die vor allem wegen des Themas Kita-Neubau in Wernswig gekommen waren.

 
Lektion 1: Kosten

Wie kann man über ein Millionenprojekt entscheiden, wenn nicht einmal die Kosten genannt werden?
Der Bürgermeister erklärte, es sei noch zu früh darüber zu sprechen, jetzt solle ja nur darüber entschieden werden, welche Variante der Architekt ausarbeiten soll.
In diesem Stadium könne man nur nach Nutzfläche oder nach Bauvolumen schätzen.
Aber auch dass wurde unterlassen, während gleichzeitig schon Zahlen im Haushaltsplan stehen.

Merke: Erst zu früh, dann zu spät.
Eine geradezu klassische Manipulation in vielen öffentlichen Planungen. Erst ist es in der Planung noch zu früh, später dann zu spät, da schon alles ausgearbeitet und entschieden ist.

 
Lektion 2: Beide Varianten kosten gleich viel

Die ebenerdige Variante würde genau so viel kosten wie die zweigeschossige Variante mit zwei Treppen und einem Aufzug. Wenn nur ebenerdig gebaut wird, könnte auch die Grundfläche für die Treppen und den Aufzug genutzt werden. Ein Aufzug hat zudem zusätzlich zu den Baukosten weitere laufende Folgekosten: Energie, Wartung und Prüfung.

Merke: Zwei Dinge vergleichen und behaupten, sie seien gleich – Äpfel mit Birnen vergleichen.
Das ist zwar eine recht plumpe Methode, aber sie scheint in Homberg zu funktionieren.
 

Lektion 3: Aufzug wird auch für das Wohnhaus gebraucht
Auch wenn nur ebenerdig gebaut würde, müsse ein Aufzug gebaut werden, damit man später darüber das Wohnhaus barrierefrei erschließen kann, behauptete der Bürgermeister.
Auch hier die Äpfel-Birnen-Vergleichsmethode. 
Der Aufzug würde zu einem späteren Bauprojekt Wohnhaus-Umbau gehören, wird aber schon bei der Kitaplanung mit eingerechnet, obwohl er für einen ebenerdige Kita keinen Sinn hat.

Merke: Falsche Sachen verbinden, auch wenn es sinnlos ist, und hoffen, dass es keiner merkt.

 
Lektion 4: Falsche Zusammenhänge konstruieren

Ein Aufzug für eine Kita kann nicht gleichzeitig der Aufzug für ein Wohnhaus sein. Die Kita kann schon wegen der Aufsichtspflicht abgeschlossen sein, ein Aufzug kann dann nur von den Menschen in der Kita benutzt werden.

Merke: Einfach Behauptungen aufstellen in der Hoffnung, dass die Bürger die Rahmenbedingungen nicht kennen, die einzuhalten sind.
 

Lektion 5: Überprüfung verhindern

Die Zeichnungen der beiden Varianten sind nicht öffentlich, nur die Stadtverordneten können sie sehen – was rechtswidrig ist.
Allerdings hat man nicht aufgepasst, und zu dem Thema in der Stadtverordnetenversammlung kurz die Grundrisspläne eingeblendet, das reichte, den Pferdefuß zu erkennen, wenn man Erfahrung mit Plänen hat
Zwischen der Kita und dem anschließenden Gebäude, das später einmal als Wohngebäude weiter genutzt werden soll, ist eine dicke Brandmauer. Die Brandmauer ist sinnvoll und ist im Plan eingezeichnet. An dieser Brandmauer liegen der Aufzug und die Treppe – und zwar so, dass man keinen Übergang zu dem Wohnhaus schaffen kann.

Merke: Es lässt sich viel behaupten das gut klingt, auch wenn es praktisch nicht realisiert werden kann.

 


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